Sonntag, 4. Januar 2015

Live-Test - Streamingdienste

Liebe Leser,

erstmal wünsche ich euch natürlich noch ein gutes, glückliches und vor allen Dingen gesundes neues Jahr 2015. Auch in diesem Jahr werdet ihr hier wieder spannende Dinge aus meinem Leben und von unseren Coachings und Büchern lesen.

Aber zum Thema:
Spätestens, seit Netflix mit großer Medienwirksamkeit den deutschen Markt betreten hat, ist klar, dass die großen Medienanstalten mit Bildungsauftrag (also dem Einstreichen der neudeutschen Mediengebühr) angezählt sind. Treue Leser wissen bereits, dass wir uns immer erst dann ein Urteil über etwas bilden, wenn wir es selbst an uns getestet haben. Also haben wir, sobald er verfügbar war, den Google Chromecast gekauft. Damit sollte man, so die Werbung, alles, was man auf dem Computer, dem Tablet oder sogar dem Handy (neudeutsch Smartphone) sehen kann, auch auf dem Fernseher sehen können. Sollten also die Zeiten von "Folge verpasst? Jetzt online sehen" bedeutet, wir müssen uns vor den Computer in mehr oder minder gemütliche Bürostühle quetschen, um dort "total bequem" die verpasste Folge von wasauchimmer anzusehen, tatsächlich vorbei sein? Nunja, es gab in der Tat ein paar kleinere Startprobleme. Nicht alles, was wir uns erhofft hatten, war sofort kompatibel zum Chromecast. Na gut, ein paar witzige YouTube Sessions ließen sich aber doch direkt vor dem großen Flachbildschirm realisieren. Und nach und nach rückten die Dienste nach. Es wollte sich anscheinend niemand lumpen lassen. Heute funktioniert das System hervorragend mit jeder Menge Diensten.
Was die Streamingdienste anging, dachten wir uns: Nix wie ran an die Buletten und für Netflix das Probeabo vereinbart. Das war am 17.09.2014. Netflix lockte neben diversen Blockbustern auch mit zahlreichen Eigenproduktionen. Das war etwas Neues und reizte uns. Wir haben dann zunächst über das iPad und den Chromecast geschaut und das hat auch super funktioniert. Schnell die entsprechende App geladen, unsere Anmeldedaten eingegeben und Spaß haben. Unterhaltung, wie es Amerikaner verstehen. Schnell legte auch unser heißgeliebter Mediareceiver, über den wir normalerweise Entertain von der Telekom sehen, mit einer entsprechenden App nach. Es heißt "When in Rome, do as the Romans do." Wenn du also in Rom bist, mach's wie die Römer ... wenn du Unterhaltung auf amerikanische Weise erleben willst, registriere dich für Netflix. Denn hier haben wir einmal in der App unsere Daten eingegeben und das war's. Ab dann gab es keinen einzigen Absturz mehr, was hin und wieder unser Streamingvergnügen über den Chromecast hätte stören können. Einen wirklichen Unterschied zum "normalen" Fernsehen gab es nicht. 
Wir legten Profile an, merkten uns Filme, legten Listen an und hatten Spaß. Wenn wir für einen Film mittendrin zu müde waren, hielten wir ihn einfach an und sahen ihn beim nächsten Mal an der gleichen Stelle weiter. Wunderbar. So hatten wir uns das vorgestellt.
Und weil das alles so toll war, entschieden wir uns sogar, Geld dafür zu zahlen. Für 8,99 Euro gibt's alle Filme und Serien auch in HD-Qualität. Da gibt man doch gerne mal nen Euro mehr aus. Einen Monat lang ging unser Streamingvergnügen ohne Anschlussprobleme weiter. 

Dann kam unser Umzug von Sandhausen nach Schwetzingen und weil wir uns nicht so sicher waren, wie lange wir dann kein Internet hätten, haben wir Netflix kurzerhand pausiert. Auf dem Abschlussbildschirm versprachen sie uns, sich unsere Daten und Listen ein Jahr lang zu merken. Wenn wir wollten, könnten wir jederzeit zurückkommen und Netflix wüsste noch immer, was wir zuletzt gerne gesehen haben, an welcher Stelle in der Serie wir waren und dass es neben Alexander auch eine Julia gibt, die hin und wieder gerne solche Sachen wie "Orange is the new Black" sieht. Tatsächlich hielten sie Wort - die Kündigung war ein Klick - fertig. Kein "Sind Sie sich sicher, ach warum denn, wir möchten Ihnen noch gerne Visitenkarten schenken." 

Dann gab es diese Pause. Kein Streaming. Erstmal abwarten, wann wir wieder Internet hätten. Das ging erstaunlich schnell. Aber keine Zeit für lange Fernsehabende. Stattdessen Einrichtungsstress, Kistenchaos und mehr. Dazwischen noch irgendwie Weihnachtsstimmung heraufbeschwören.

Am 26.12.2014 war es dann soweit - wir wollten den nächsten Dienst testen. Dieses Mal nahmen wir den großen deutschen Dinosaurier ins Visier - Maxdome. Immerhin machten die ja inzwischen auch Fernsehwerbung. Fernsehen, wie du es magst. Aha. Also kurzerhand registriert. Das ging noch einfach. Dann die App, die es im Mediareceiver gab, aufgerufen. Dort die Anmeldedaten eingegeben. Wir dachten uns "Ach, einmal kann man schon diese unfassbar lange E-Mail Adresse und das Passwort eingeben, das System merkt sich das ja." Mhm. Als Versucherle sollten es zwei amerikanische Serien sein. Zwei Ausfälle am ersten Abend. Das fing ja toll an. 
Am nächsten Tag, also am Samstag, den 27.12. der nächste Versuch. 
Hier ist, was wir zu sehen bekamen:
 

Das war zur Hauptfernsehzeit der Deutschen. Nun kennt man es als leidgeprüfter Internetnutzer ja, dass ähnliche Meldungen bei Diensten wie Facebook genau in dem Moment auftauchen, in dem man das neueste niedliche Katzenbild teilen will. Seite neu laden, weiter geht's. Wartungsarbeiten abgeschlossen. Also keine Panik - einfach Mediareceiver ausschalten, neu einschalten, dann geht's bestimmt wieder. Unverändertes Bild. Der Frust steigt. Wieso müssen diese dringenden Wartungsarbeiten eigentlich genau JETZT stattfinden und nicht, wie bei ordentlichen Unternehmen, mitten in der Nacht oder nachmittags um vierzehn Uhr?! Also an diesem Abend kein Maxdome. Dafür mitten in unserem Film eine Werbung "Maxdome - Fernsehen, wie du es magst." Ich mag aber keine Wartungsarbeiten am Samstag zur Hauptfernsehzeit. Und jetzt? 
Die nächste Woche verbrachten wir damit, uns hin und wieder über Maxdome zu ärgern. Es gab Abende, an denen konnten wir Filme im Zwei-Minuten-Takt sehen. Mitten im Film kam das Bewertungsfenster "Wie hat dir der Film gefallen?" "Kann ich noch nicht sagen, ich hab ihn noch nicht fertig gesehen." Ach nee, das gab's nicht zur Auswahl. Drück dich gefälligst in Sternchen aus. Wieder und wieder durften wir auch unsere Anmeldedaten neu eingeben. Die App hatte sie schlicht und ergreifend vergessen. Unsere Sehnsucht nach den guten alten Netflix-Zeiten wuchs. So gewinnt man aber keine Kunden.
Dann ein neuer Samstag. Wieder Hauptfernsehzeit, sogar mittendrin. Was soll ich sagen? Wir sahen dann wieder das oben gepostete Bild. Schon wieder Wartungsarbeiten am Server? Nach welchem Kalendersystem arbeitet man eigentlich bei Maxdome? Kleiner Tipp für den Laien: Bei der Kalenderapp der meisten Smartphones kann man einstellen, wann der Wochenanfang ist. Und was den Samstagabend angeht, da verstehen wir Deutschen keinen Spaß. Wir haben die ganze Woche gearbeitet und fühlen uns im Recht auf Unterhaltung. Wer sich dem in den Weg stellt, zieht den Zorn einer Nation auf sich. Also haben wir den nächsten Samstag mit Fernsehen vom Mediareceiver verbracht. Haben wir ein Glück, dass wir uns nicht nur auf die Streamingdienste verlassen hatten und noch dazu Filme und Serien programmiert hatten, die uns wirklich interessierten. Der Fernsehabend war also nicht verloren.
Noch ein paar Dinge, die uns schon jetzt auffielen: Wenn ein Film eine Altersbeschränkung hat, dann gibt man seine anfangs festgelegte PIN ein. Dann sucht man als Frau den "Weiter"-Button. Der heißt "Übernehmen" und befindet sich oberhalb des PIN-Pads. Intuitiv geht anders. Dann kann es auch sein, dass du deine PIN eingegeben hast und wieder auf dem Startbildschirm landest. Und wo ist nun mein Film? Dumme Frage, immer noch da, wo er vorher auch war. 
Eine Darstellung "Du hast zuletzt gesehen" gibt es nicht. Auch das Anlegen von Listen vermissen wir. Vielleicht ist es aber nur ähnlich gut wie der "Weiter"-Button versteckt. Als Profil haben wir insgesamt eines. Naja. Alexander und Julia können sich ja auch einigen, was wir gerne mögen. Benutzerfreundlich geht anders. 

Ich zitiere gerne noch einmal: "When in Rome, do as the Romans do." Maxdome ist ein deutsches Unternehmen. Wenn du also in Deutschland bist, mach's, wie es die Deutschen machen. Und das ist anscheinend bürokratisch, etwas verzwickt und nicht eben der Samstagabend-Unterhaltung zugetan. 
Wir werden uns also bemühen, noch vor dem Ablauf der 14 Tage, die wir vor Ende des Testzeitraums kündigen müssen, zu kündigen. Nicht, dass wir auch noch Geld für so einen "Service" zahlen müssen. Wir werden uns, das sind wir uns jetzt schon sicher, wieder bei Netflix anmelden. Da kann Alexander mögen, was Alexander eben mag und Julia sehen, was Julia eben gerne sieht. Und wir können uns Merklisten anlegen und jederzeit weitersehen, wo wir aufgehört haben.

Wie sind eure Erfahrungen? Habt ihr schon einen von diesen oder einen anderen Streamingdienst getestet? Wenn ja - welche Erlebnisse hattet ihr damit?

Bis demnächst,
eure Julia